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Radetzky-Marsch
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Der Radetzky-Marsch (Armeemarsch II, 145) ist ein von Johann Strauss komponierter und dem österreichischen Feldmarschall Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz gewidmeter Marsch und trĂ€gt die Opus-Zahl 228. Die UrauffĂŒhrung fand am 31. August 1848 am Wasserglacis in Wien statt.
Contents
âą Musik
âą Rezeption
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Entstehungsgeschichte der Widmung
Die Entstehung des Marsches gehört historisch in einen Abschnitt der MĂ€rzrevolution in Wien, vor dem einerseits vor dessen Beginn die AufstĂ€ndischen wichtige ZugestĂ€ndnisse erreichten. Dazu gehörten am 13. MĂ€rz 1848 der RĂŒcktritt von FĂŒrst Metternich, der verhassten 74-jĂ€hrigen Symbolfigur der Restauration, am 14. MĂ€rz erste ZugestĂ€ndnisse durch Kaiser Ferdinand I. zur Errichtung einer Nationalgarde und Aufhebung der Zensur, am 15. MĂ€rz die GewĂ€hrung der Pressefreiheit und ein Verfassungsversprechen. Am 25. April 1848 wurde diese bekanntgemacht, sie und die am 9. Mai veröffentlichte Reichstags-Wahlordnung sorgten in ihren weitgehenden Restriktionen fĂŒr Empörung, worauf es zu neuerlichen Unruhen kam (âMairevolutionâ): Am 17. Mai 1848 floh der Kaiser nach Innsbruck.
Am 22. Juli 1848 wurde der konstituierende österreichische Reichstag mit 383 Delegierten aus Ăsterreich und den slawischen LĂ€ndern von Erzherzog Johann eröffnet. Unter anderem wurde dort Anfang September die Bauernbefreiung von der ErbuntertĂ€nigkeit beschlossen.
Andererseits hatte am 25. Juli 1848 Feldmarschall Josef Wenzel Radetzky von Radetz einen ĂŒberzeugenden Sieg in der Schlacht bei Custozza ĂŒber die piemontesischen Truppen errungen und schlieĂlich am 6. August die Lombardei fĂŒr Ăsterreich zurĂŒckgewonnen. Damit bekamen die restaurativen KrĂ€fte in Wien wieder die Oberhand und hegten die Hoffnung, mit Hilfe des MilitĂ€rs die RevolutionĂ€re in Wien wieder zurĂŒckdrĂ€ngen oder sogar vernichten zu können.cite-ref-1[1]
Einer der Vorboten der kommenden und als Wiener Oktoberrevolution bezeichneten Ereignisse war die blutige Niederschlagung eines Arbeiterprotestes am 23. August 1848, die als âPraterschlachtâ in die Geschichte eingegangen ist: Ein aus Anlass der KĂŒrzung der Notstandszahlungen um 5 Kreuzer durch Arbeitsminister Ernst Schwarzer (bedeutete allerdings eine prozentuale KĂŒrzung der Zahlungen fĂŒr MĂ€nner um 25 %, fĂŒr Frauen sogar um 33 %) formierter Protestzug wurde durch die kaiserliche Nationalgarde blutig niedergeschlagen, wobei vor allem unbewaffnete Arbeiter, Frauen und Kinder die Opfer waren. Auch Kaiser Ferdinand kehrte am 12. August 1848 nach Wien zurĂŒck.
In dieser Situation setzte Strauss (Vater), dessen Sympathien immer auf der Seite der Kaiser-Treuen waren, am 31. August 1848 ein Siegesfest in den Parkanlagen des Wasserglacis âzu Ehren der tapferen Armee in Italien und zur UnterstĂŒtzung der verwundeten Kriegerâ an und kĂŒndigte die UrauffĂŒhrung eines neuen Marsches an, der als Radetzky-Marsch uraufgefĂŒhrt wurde. Er erhielt auf dem Titelblatt der Klaviererstausgabe den Zusatz âzu Ehren des groĂen Feldherren ⊠und der k.k. Armee gewidmetâ.cite-ref-2[2]
Musik
Entstehungsgeschichte
Das berĂŒhmte Kopfthema des Marsches (Opus 228) beginnt original mit einem vier Takte kurzen AnreiĂer, dann folgt jene Melodie, die weltbekannt wurde. Dabei greift Strauss (Vater), wie der Strauss-Forscher Norbert Linke nachwies, auf eine langjĂ€hrige Ausformung dieser Teile zurĂŒck: Die Auftakt-Takte (VorschlĂ€ge) finden sich 1828 erstmals im âLust-Lager Walzerâ (op. 18), der zweite Teil der Melodie wurde ebenfalls erstmals 1828 im âKrapfen-Waldl-Walzerâ (op. 12, Walzer 4 b) verwendet und finden sich abgewandelt als Walzerteil 3 a ebenfalls im âLust-Lager-Walzerâ. Weitere Melodieteile sind in der typisch Straussschen Variationstechnik zitatseitig in den opera 144, 217 und 221 zu finden.cite-ref-linke166-5-0[5] In der âJubel-Quadrilleâ (op. 130 von 1841) ist in deren âFinaleâ bereits endgĂŒltig im A-Teil nahezu notengetreu das gesamte Marschthema, was Strauss (Vater) sieben Jahre spĂ€ter hier verwendete, aufgefĂŒhrt worden.
Linke widerlegt die Behauptung des Strauss-Biographen Heinrich Eduard Jacob (1937), Strauss Vater habe die Melodie aus der OuvertĂŒre zu Rossinis Oper âWilhelm Tellâ abgeleitet. Auch die Behauptung, Philipp Fahrbach der Ăltere sei der eigentliche Komponist, verweist Linke endgĂŒltig in das Reich der Legende:cite-ref-linke165-6-0[6] Fahrbach besorgte allerdings die Arrangements fĂŒr MilitĂ€r- und fĂŒr Harmoniemusik.cite-ref-7[7] Behauptet wird auch, dass der Beginn zudem durchaus Ă€hnlich dem zweiten Thema des 1794 komponierten Allegros aus Joseph Haydns Sinfonie Nr. 100 sei: Auch dieses ist falsch. Bearbeitungen verschiedener Haydn-Werke gehörten zwar zum stĂ€ndigen Repertoire des Strauss-Orchesters, dĂŒrften jedoch eher Anreger fĂŒr die frĂŒhen Nachweise in den opp. 12 und 18 von Strauss (Vater) von 1828 gewesen sein.
Die Trio-Melodie ist nach Linke âein zweistimmiger Klarinetten-Jodler, fĂŒr den komische ĂberschlĂ€ge und Triller charakteristisch sind.â Es gibt nur zwei harmonische Stufen (1. und 2. Stufe). âMal gluckert der Sextaufschwung in der Tonika, mal in der Dominante, im zweiten Trio-Teil gehtâs umgekehrt. Die Musik scheint auf der Stelle zu treten, nur Ă€uĂerlich âdramatisiertâ durch das Forte und den âWegwischer-Laufâ im zweiten Teil, ehe alles wieder in das Piano-Gluckern zurĂŒckfĂ€llt.âcite-ref-linke166-5-1[5]
Linke widerlegte zudem mehrere in verschiedenen Strauss-Biographien zu findende Legenden um das âTrioâ des Radetzkymarsches:cite-ref-8[8]
âą Zu den Legenden um die Strauss-Familie gehört, dass es sich um ein StĂŒck âAlter Tanz aus Wienâ oder auch âTinerl-Liedâ handele, manche auch mit der AusschmĂŒckung, es sei benannt nach einer damals populĂ€ren SĂ€ngerin oder Dudlerin, genannt âLerchenfelder Tinerlâ. Dies geht zurĂŒck auf seinen jĂŒngsten Sohn, Eduard StrauĂ, der es in seinen hĂ€ufig ungenauen Erinnerungencite-ref-es-9-0[9] erstmals behauptete. Trotz aller BemĂŒhungen auch von Spezialisten wie Josef Kollercite-ref-10[10] wurde eine SĂ€ngerin oder Dudlerin dieses Namens nie gefunden. Im Ăbrigen verweist Linke darauf, dass der Tonumfang des Trios zu groĂ und die Intervalle so schwierig seien, dass es gar nicht sangbar sei.cite-ref-linke166-5-2[5]
âą Ebenfalls als Legende gilt: Als Radetzky nach der siegreichen Schlacht bei Custozza (1848) nach Wien zurĂŒckkehrt sei, hĂ€tten seine Soldaten auf der StraĂe dieses populĂ€re Lied gesungen. Strauss habe diesen Soldatengesang gehört und ihn im Marschtakt, aber melodisch kaum verĂ€ndert, in den Radetzky-Marsch eingebaut. Auch das geht auf Eduard StrauĂ und seine Erinnerungen zurĂŒck, allerdings dort in der Variante, dass die Soldaten âbei ihrem Auszuge aus Wien das Lied gepfiffen und gesungenâ hĂ€tten.cite-ref-es-9-1[9]
âą Max Schönherr wiederum verweist in seiner Biographie ĂŒber Strauss (Vater) (1954) auf eine â angeblich â alte Wiener Melodie von 1845, die Eduard Kremser in seiner Sammlung âWiener Lieder und TĂ€nzeâ von 1913 mit der Behauptung wiedergibt: âDieser Tanz wurde von J. StrauĂ sen. im Trio des Radetzky-Marsches benĂŒtzt.âcite-ref-sch-nherr-11-0[11] Kremser hatte aber diese LĂ€ndler-Fassung nach dem Trio des Marsches selbst hergestellt und sich ĂŒberdies noch das Urheberrecht daran gesichert. Linke nennt diese FĂ€lschung âdas tollste HusarenstĂŒckâ.cite-ref-linke165-6-1[6]
âą Neuere und durchaus seriöse Strauss-Biographien sprechen von der Zitation âeines alten Wienerliedesâ,cite-ref-mi334-3-1[3] bleiben jedoch einen Herkunftsnachweis ebenfalls schuldig.
2019 legte Linke neue Nachweise zur Entstehungsgeschichte vor. So verweist er darauf, dass in der Wienbibliothek zwei verkaufbare Kopistennachschriften existieren (Signaturen MHc 13129 und MHc 14492). Ăberdies sei ein möglichst nah heranreichendes Original durch seinen Enkel Johann Strauss III. erstellt worden, das 1914 im Verlag Scheithauer in Berlin-Charlottenburg erschienen ist.cite-ref-12[12]
Unter Nutzung seiner Kenntnisse ordnet Linke in seinen Forschungsergebnissen auch das Trio des Marsches einem Tiroler Volkslied zu, einem gesungenen zweistimmigen LĂ€ndler, Fein sein, beieinand' bleiben⊠(ein Ehestandslied), von dem Strauss (Vater) (im Grunde nur) die ersten sechs Takte nutzt. Durch Weglassung der Subdominante, die âĂbersetzungâ in einen konsequenten Marschrhythmus, sowie die Verwendung von Wiederholungen, Vertauschungen und (im Volkslied nicht vorhandenen, aber aus ihm abgeleiteten) Jodler-Sequenzen bildete Strauss allein mit diesen sechs Takten des Volksliedes das gesamte Trio des Radetzky-Marsches und damit ein in sich geniales MusikstĂŒck.cite-ref-13[13]
Linke weist auf diese Weise die âErinnerungenâ von Eduard als Sohn von Strauss (Vater)cite-ref-es-9-2[9] einem schlichten (und auch durchaus naheliegenden) Hör- und Erinnerungsfehler (âTinerlâ und âTirolerâ) zu, sondern auch darauf, dass der Text (Fein sein, beieinand' bleibenâŠ) durchaus auch seinen eigenen Sinn fĂŒr die Truppen gehabt haben könne und eigentlich eine VölkerverstĂ€ndigungsbotschaft beinhalte.cite-ref-14[14]
Weitere Geschichte
Der Marsch war â trotz des historischen Hintergrundes â von Beginn an ausgesprochen populĂ€r. Soweit nachweisbar, haben er und seine familiĂ€ren Nachfolger (seine Söhne Johann Strauss (Sohn), Josef und Eduard) sowie sein Enkel Johann Strauss III. allenfalls Anpassungen im Orchesterarrangement vorgenommen, da der Marsch ursprĂŒnglich fĂŒr ein 24â28 Personen umfassendes Orchester (damalige OrchestergröĂe des Vaters) geschrieben war, von dem nur das Stimmenmaterial existierte. Der Verleger Haslinger brachte nur Bearbeitungen fĂŒr Klavier 2- und 4-hĂ€ndig heraus, die beiden Kopistenabschriften der Wienbibliothek (Signaturen MHc 13129 und MHc 14492) sind die einzig bekannten âZusammenschreibungenâ.
Instrumentale Verdickungen und insbesondere der heute bekannte Eintrommel-Rhythmus entstammen nachstraussischer Zeit.
1914 veröffentlichte Leopold Weninger eine Neufassung. Dieser fertigte aus dem ausgesprochen unmilitĂ€rischen StĂŒck mit einer erheblich verdickten Instrumentierung, die auch melodiös verĂ€ndert wurde, und durch den âEintrommelâ-Rhythmus, einen Marsch, der zur allgemein-militĂ€rischen Ausrichtung der Zeit passte. Seinen Einfluss nutzte Weninger ab Mitte der 1930er-Jahre als damaliger Leiter der NSDAP-Kreismusikstelle Leipzig, als im Musikbetrieb inzwischen einflussreich gewordener Komponist und Arrangeur. Nachdem er sich durch einen SturmfĂŒhrer-Marsch, eine Hitlerhymne und durch Arrangements verschiedener SA-MĂ€rsche ausgezeichnet hatte, setzte er auch sein Arrangement des âRadetzky-Marschesâ im Sinne der herrschenden Ideologie durch.
Ein weiteres Arrangement entstand Anfang der 1950er-Jahre durch den Wiener Komponisten Max Schönherr. Da ihm ebenfalls die originale Instrumentation nicht zur VerfĂŒgung stand, orientierte er sich an dem vorhandenen Notenmaterial und versuchte sich weitestgehend der melodischen Farbigkeit aus dem ĂŒberlieferten Material und klanglich der ihm aus seinen Forschungen zugĂ€ngigen AuffĂŒhrungspraxis zur Zeit des Originals anzunĂ€hern.cite-ref-sch-nherr-11-1[11]
Sofern die originale Fassung von Johann Strauss (Vater) gespielt wird, wird meist der Zusatz âUrfassungâ oder âErste Fassungâ verwendet, was insofern unkorrekt ist, da Strauss (Vater) keine weiteren Fassungen dieses Marsches erstellt oder autorisiert hat. Um den GrundsĂ€tzen der Werktreue zu genĂŒgen, mĂŒssen die jeweiligen Bearbeiter oder Arrangeure bei AuffĂŒhrungen benannt werden (Weninger, Schönherr u. a.), was aber seit den 1940er-Jahren unterbleibt.
Eine (weitere) Druckvorlage dieser âUrfassungâ (Kopistenabschrift) wurde 1999 in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek (heute: Wienbibliothek) durch den Strauss-Forscher Norbert Rubey wiederentdeckt,cite-ref-rubey-15-0[15] erst spĂ€ter stellte sich heraus, dass diese zu einer identisch ist, die bereits seit lĂ€ngerer Zeit in der Wienbibliothek vorhanden war.
Ende des Jahres 2019 kĂŒndigte Oliver Rathkolb an, die Wiener Philharmoniker wĂŒrden nunmehr als Abschluss des Neujahrskonzertes eine âorchestertradierteâ Fassung des Arrangements spielen. Eine ErklĂ€rung, warum noch immer nicht die âfamilientradierteâ (und verfĂŒgbare) Fassung von Johann Strauss (Enkel), die nach Ansicht Linkes dem (verschollenen) Original am nĂ€chsten kĂ€me,cite-ref-16[16] oder auf die verfĂŒgbaren Kopistenhandschriften zurĂŒckgegriffen wurde, oder stattdessen auf das Schönherr-Arrangement zugegriffen wird, sondern weiterhin eine von der NS-Fassung ausgehende Version als mediales AushĂ€ngeschild fĂŒr Ăsterreich gespielt wird, blieb offen.
Rezeption
Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker
Mit dem Radetzky-Marsch wird zwar traditionell das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker beendet, die von den Wiener Philharmonikern hier und auch sonst gespielte Version ist jedoch nicht der Marsch, den Strauss (Vater) komponierte, entspricht auch nicht den vorhandenen Kopistenhandschriften der Wienbibliothek und auch nicht der von seinem Enkel vermutlich am nĂ€chsten dem Original liegenden Version, oder etwa einem Arrangement des Ăsterreichers Max Schönherr von 1954, sondern ist eine Version, die von dem zu NS-Zeiten einflussreichen Leopold Weninger erstellt wurde,cite-ref-on-the-radetzky-march-17-0[17] und lediglich instrumental angepasst wurde.
In einem Blogeintrag namens âPhilharmonisches Tagebuchâ der Wiener Philharmoniker aus dem Jahre 2019 wird angegeben, dass man Weningers Arrangement nutze, dies sei jedoch eines aus dem Jahre 1914 und philharmonisch seit 1928 verwendet worden. Diese Angaben sind jedoch widersprĂŒchlich, da damals (1928 und die Folgejahre) Johann Strauss (Enkel) mit Wiener Orchestern musizierte und diese dirigierte, dabei jedoch ausschlieĂlich sein eigenes, aus dem Original zusammengestelltes Stimmenmaterial nutzte. Im Neujahrskonzert sei das Arrangement laut den Wiener Philharmonikern erstmals im Jahr 1946 verwendet worden und nun durch EinfĂŒgungen von einzelnen Noten und Weglassungen bestimmter Orchesterteile (z. B. eines Glockenspiels) zu einem eigenen Arrangement der Philharmoniker selbst verarbeitet worden, welches von nun an aufgefĂŒhrt werde. Die AuffĂŒhrung geschah jedoch, wie die meisten Jahrzehnte vorher, auch im Neujahrskonzert 2020 erneut ohne die Angabe, dass es sich um ein Arrangement handelt und (erneut) nicht das Original aufgefĂŒhrt wird.cite-ref-18[18]
Das Publikum klatscht vor allem der Weninger-Version sowohl in den Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker, wie auch anderweitig, regelmĂ€Ăig im Takt nach dem Dirigat mit.
Der Musikhistoriker Jerry Tempelman verweist zwar darauf, dass schon in den frĂŒhen Strauss-Konzerten das Publikum begeistert werden wollte,cite-ref-on-the-radetzky-march-17-1[17] was sich jedoch nicht auf den Radetzky-Marsch als solches bezieht, sondern auf die Konzertpraxis des 19. Jahrhunderts; gerade bezĂŒglich des Marsches sprach er sich fĂŒr eine weitgehend originale (also der Mitte des 19. Jahrhunderts angenĂ€herte Fassung) aus. Carlos Kleiber sprach sich gegen das âMitklatschenâ bei seinen Dirigaten der Neujahrskonzerte 1989 und 1992 aus, konnte sich aber nicht durchsetzen. Auch Franz Welser-Möst, der die Neujahrskonzerte 2011, 2013 und 2023 dirigierte, betonte: âDer Radetzkymarsch ohne Klatschen ist auf jeden Fall ein besseres StĂŒck.âcite-ref-19[19]
Das Original â auch auf der Grundlage der 1999 wiedergefundenen (weiteren) originalen Druckvorlagecite-ref-rubey-15-1[15] â wurde zwar im Neujahrskonzert 2001 durch Nikolaus Harnoncourt der Fassung von Weninger gegenĂŒbergestellt, eine Ănderung der AuffĂŒhrungspraxis erfolgte jedoch nicht.
Im Jahr 2005 entfiel diese Zugabe aus Respekt vor den Opfern der groĂen Tsunami-Katastrophe in SĂŒdostasien.
Anfang 2021 kritisierte die ehemalige GrĂŒne Kultursprecherin Eva Blimlinger mehrmals, dass der âSiegesmarschâ der âreaktionĂ€ren KrĂ€fteâcite-ref-20[20]cite-ref-21[21]cite-ref-22[22]cite-ref-23[23] beklatscht werde, was Die Presse 2024 als ânicht mehr wegzudenkende Tradition zum Jahreswechsel â wie der GlĂŒcksklee, das (illegale) Feuerwerk und das Neujahrsspringenâ bezeichnete.cite-ref-24[24] Hans Rauscher wies 2024 im Standard darauf hin, dass Radetzky bei der Niederschlagung der italienischen UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen zwar ein Dorf bei Verona auslöschte, aber dass wenn schon, der JelaÄiÄ-Marsch kritikwĂŒrdiger sei, weil die Truppen von Ban Josip JelaÄiÄ die Revolution von 1848 in Wien blutig niedergeschlagen und dabei âgewĂŒtetâ hĂ€tten. Einen Shitstorm erntete Ende 2022 ORF-Starmoderator Martin ThĂŒr, weil er in der ZiB-2 den Dirigenten Welser-Möst fragte, ob das StĂŒck âim Angesicht des Sterbens in der Ukraine ein richtiges Zeichen des Friedens aus Wienâ sei.cite-ref-25[25]
Rezeption in anderen Gebieten (Beispiele)
âą Die hohe PopularitĂ€t des Marsches fĂŒhrte dazu, dass auf seinen markanten Rhythmus (datadĂĄm datadĂĄm datadĂĄm damdĂĄm = drei AnapĂ€ste, ein Jambus) viele verdeckt oder offen spöttische Untertexte umliefen (z. B. Wenn der MĂșt in der BrĂșst seine SpĂĄnnkraft ĂŒbt oder Wenn der MĂłps mit der WĂșrst ĂŒbern Eckstein sprĂngt und der Storch in der Luft einen Frosch verschlingt).cite-ref-belegfehlt-26-0[26]
âą Seine fĂŒr Ăsterreich-Ungarn geradezu symbolische Bedeutung fand darin ihren Niederschlag, dass Joseph Roth seinen Roman ĂŒber den Untergang der Doppelmonarchie Radetzkymarsch nannte.
âą Der Radetzky-Marsch gilt neben dem Walzer An der schönen blauen Donau von Johann Strauss (Sohn) (âDonauwalzerâ) und dem Austropop-Lied I Am from Austria von Rainhard Fendrich als eine der heimlichen Hymnen Ăsterreichs.
âą Seit 1896 dient der Radetzky-Marsch als Regimentsmarsch des britischen 1st The Queenâs Dragoon Guards-Regiments. Diese Einheit fĂŒhrt auch den Doppeladler als Regimentsabzeichen. Diese Elemente erinnern daran, dass Kaiser Franz Joseph einst Regimentsinhaber war.cite-ref-belegfehlt-26-1[26]
âą In der britischen Fernsehserie Nummer 6 (The Prisoner 1967, deutsch 1969) findet das StĂŒck in besonderer Weise eine fast schon thematische Verwendung. Im Ort der Gefangenschaft (âthe Villageâ) des Protagonisten Nummer Sechs gibt die örtliche Blaskapelle dann und wann Konzerte und stimmt auch oft den in starkem Kontrast zum leicht utopischen Setting stehenden Radetzky-Marsch an.cite-ref-belegfehlt-26-2[26]
âą Der Radetzky-Marsch wurde als Werbemusik fĂŒr unterschiedliche Produkte eingesetzt, so zum Beispiel fĂŒr ein MilchmixgetrĂ€nk der Firma BĂ€renmarke und fĂŒr ein Bonduelle-DosengemĂŒse (1985).cite-ref-27[27]
âą Wondra und Zwickl verwendeten die Melodie in ihrem StĂŒck âWenn der Hund mit der Wurst ĂŒbern Eckstein springt â Thema mit Variationenâ.cite-ref-belegfehlt-26-3[26]
âą Bei FuĂballspielen der Ăsterreichischen FuĂballnationalmannschaft wird der Radetzky-Marsch vor Spielbeginn eingespielt. Viele Fans schwenken dabei eine Ăsterreich-Fahne im Takt.cite-ref-belegfehlt-26-4[26]
âą Das Tempo des StĂŒcks entspricht dem empfohlenen Tempo der Herzdruckmassage. Aufgrund der hohen Bekanntheit in Ăsterreich wird es daher als Merkhilfe in Erste-Hilfe-Kursen verwendet.cite-ref-28[28]
âą Ebenso ist der Marsch vielen Menschen in einer langsameren Form bekannt als Kinderlied âHamstertanzâ von Simone Sommerland und Karsten GlĂŒck.cite-ref-29[29]
⹠Der Radetzky-Marsch eröffnet den Film Oberst Redl von Istvån Szabó.
Literatur
âą Urban Bacher: Deutsche Marschmusik, Konstanz 2013, S. 111/112; 2. Auflage, Konstanz 2019, S. 198 ff, 226â239.
Weblinks
Commons
: Radetzky-Marsch
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Radetzkymarsch
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Jeroen H.C. Tempelman: On the Radetzky March. Online, (PDF-Datei; 221 kB)
âą So bezeichnetes Tinerl-Lied als behauptete Vorlage fĂŒr das Trio, der Kremser-Sammlung von 1913 nachgestaltet (i.e. FĂ€lschung, siehe Artikel und zugehöriger Einzelnachweis)
âą Radetzky March, Op.228 (Strauss Sr., Johann): Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
âą Eintrag zu Radetzky-Marsch im Austria-Forum
âą Radetzky-Marsch, Op. 228 auf YouTube in der seit der NS-Zeit bekannten Fassung von Leopold Weninger (wie ĂŒblich ohne Hinweis auf den Arrangeur)
âą Jubel-Quadrille, Op. 130 auf YouTube mit ab Minute 3:26 bereits 1841 vorweggenommem Marsch-Thema des Radetzky-Marsches
Einzelnachweise
cite-note-11. â Frank Miller (d. i. Helmut Reichenauer): Johann Strauss Vater â Der musikalische Magier des Wiener Biedermeier. Dokumentarbiographie. Castell-Verlag, Eisenburg [d. i. VasvĂĄr], 1999, ISBN 3-9501095-0-1, S. 331.
cite-note-f760-44. â Straussmania, Kapitel 1: Die Popkultur vor 1900. In: ORF Topos. Abgerufen am 2. Januar 2026.
cite-note-linke166-55. â Norbert Linke: Musik erobert die Welt. Herold, Wien 1987, ISBN 3-7008-0361-3, S. 166.
cite-note-linke165-66. â Norbert Linke: Musik erobert die Welt. Herold, Wien 1987, ISBN 3-7008-0361-3, S. 165â166.
cite-note-77. â Norbert Linke: âEs muĂte einem was einfallenâ â Untersuchungen zur kompositorischen Arbeitsweise der âNaturalistenâ. Hans Schneider, Tutzing 1992, ISBN 3-7952-0732-0, S. 124.
cite-note-88. â FĂŒr Mitlesende: Ein Marsch folgt im deutschsprachigen Raum im Aufbau in der Regel der Form âAâBâAâ, wobei der Mittelteil âBâ als âTrioâ bezeichnet wird.
cite-note-es-99. â Eduard StrauĂ: Erinnerungen, Franz Deuticke, Leipzig 1906, S. 170â171.
cite-note-1010. â Linke bezieht sich auf Josef Koller: Das Wiener VolkssĂ€ngertum in alter und neuer Zeit. Gerlach & Wiedling, Wien 1931.
cite-note-sch-nherr-1111. â Max Schönherr, Karl Reinöhl: Das Jahrhundert des Walzers â 1. Band â Johann Strauss Vater, Universal Edition, London 1954, S. 309. Die von Kremser geschaffene Fassung siehe Eduard Kremser: Wiener Lieder und TĂ€nze. Zweiter Band. Gerlach & Wiedling, Wien 1913, S. 218.
cite-note-rubey-1515. â Norbert Rubey: Druckvorlage und Urfassung des Radetzky-Marschs entdeckt. In: Wiener Institut fĂŒr StrauĂ-Forschung (Hrsg.): Die Fledermaus â Mitteilungen 11â13, August 2000. Hans Schneider, Tutzing 2000, ISBN 3-7952-0962-5, S. 220.
cite-note-on-the-radetzky-march-1717. â Jeroen H.C. Tempelman: On the Radetzky March. S. 5 (englisch)
cite-note-1818. â Das "Philharmonische Tagebuch" der Wiener Philharmoniker, siehe Wiener Philharmoniker > Homepage > Orchester > Philharmonisches Tagebuch. Abgerufen am 16. Dezember 2020.
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cite-note-2121. â Jetzt Koalitions-Streit um den Radetzkymarsch. In: oe24. 31. Dezember 2022, abgerufen am 3. Januar 2025.
cite-note-2222. â Walter HĂ€mmerle: Neujahrskonzert: GrĂŒne Kultursprecherin wettert gegen âRadetzkymarschâ. In: Kleine Zeitung. 1. Januar 2024, abgerufen am 2. Januar 2025.
cite-note-2323. â Neujahrskonzert-Streit: Ist der âRadetzky-Marschâ unspielbar geworden? In: Kleine Zeitung. 2. Januar 2024, abgerufen am 2. Januar 2025.
cite-note-2424. â Oliver Pink: âRadetzkymarschâ mit Zusatztafel. In: Die Presse. 3. Januar 2024, abgerufen am 2. Januar 2025.
cite-note-2525. â Katharina Wurzer: ORF-Anchor verteidigt Frage zum Radetzkymarsch. In: Kronenzeitung. 30. Dezember 2022, abgerufen am 3. Januar 2025.
cite-note-belegfehlt-2626. â FĂŒr auch dieses Rezeptionsbeispiel gilt, dass ein geeigneter Beleg fehlt. Solltest du einen entsprechenden Beleg gefunden haben, so fĂŒge diesen bitte als Einzelnachweis im Quelltext hier ein.
cite-note-2727. â Dazu verschiedene Nachweise im Internet, fĂŒr Bonduelle z. B. der Werbeclip auf youtube: https://www.youtube.com/watch?v=tCMwpJ2AY1k
cite-note-2828. â kurier.at: 40 Hits, die helfen, Leben zu retten. 14. April 2017, abgerufen am 18. Juli 2017.
cite-note-2929. â Kinderlieder zum Mitsingen und Bewegen: đïž Der Hamstertanz - Klassiklieder zum Mitsingen || Kinderlieder. 10. Juni 2017, abgerufen am 21. November 2024.